Berichte
Bericht über die Veranstaltung "Schulzentrum - Abreißen oder Sanieren?"
Die Veranstaltung „Schulzentrum Mörsch – Abreißen oder sanieren?“ vom 25.05.2011 war mit über 100 Teilnehmern gut besucht.
Auf dem Podium standen Achim Müller, Architekt vom Ingenieurbüro IBE und Ersteller des Sanierungsgutachtens Schulzentrum, Bernd Bistritz (Kreisrat für die CDU und Architekt), Sebastian Schrempp (Oberbürgermeister) sowie Franz Deck, der die Veranstaltung gelungen moderierte.
Für die Schule stellten sich vor: Jana Kapfinger und Christian Prestel von der SMV Realschule, Juliane Steinacker und David Herrmann von der SMV WSG, als Schulleiter waren Christa Becker-Binder für die Realschule, Werner Reinkunz für das Gymnasium anwesend sowie Friedrich Tjaden, Elternbeiratsvorsitzender der Realschule.
Die SMV-Vertreter beider Schulen stellten eingangs ihre Erfahrungen im Schulalltag mit den vorhandenen Mängeln deutlich in den Raum. So gibt es z.B. sichtbare und spürbare Mängel wie der Bodenbelag in der Aula, der auf geschlissen ist, undichte Fenster mangels Isolierung (d.h. es regnet teilweise in die Räume hinein). Diverse Anschlüsse würden nicht mehr funktionieren (Gas und Wasser betreffend, in den Naturwissenschaftlichen Räumen) oder seien teilweise gar nicht vorhanden (PC Vernetzung in allen Klassenzimmern, Beamer). Eine sehr schwache Schalldämmung verursache, dass Geräusche von den Nebenklassenzimmern mitgehört würden bzw. müssten. Wenn Klausuren geschrieben werden, sei dies schon sehr störend.
Die Lüftung funktioniert sehr schlecht, im Winter sei es zu kalt und im Sommer zu heiß.
Es gibt leider keine Bibliothek mehr, keinen Raum für die SMV und keinen Aufenthaltsraum für die Schüler. Dass es keinen Aufenthaltsraum gibt, stört die Schüler nicht nur dann, wenn sie im Winter vor Schulbeginn draußen frieren müssen, weil die Schule erst kurz vor Unterrichtsbeginn aufgeschlossen wird. Es wäre generell schülerfreundlich, wenn sie sich in einem separaten Raum treffen könnten, um sich auszutauschen, anstatt in der Aula auf dem Boden sitzen zu müssen.
Friedrich Tjaden konnte die Aussagen der Schüler aus den eigenen Berichten seines Kindes nur bestätigen. Für ihn sind aber nicht nur die Änderungen des mangelhaften Zustandes des Schulzentrums wichtig, sondern ebenso die Einrichtung eines Mittagstisches, einer Mittagsbetreuung, die Zurverfügungstellung von Räumen für die Hausaufgabenbetreuung. Nur dann könne das Schulzentrum zukunftsfähig und attraktiv bleiben.
Was macht das Schulzentrum im Alltag schwierig und was macht es lebens- und liebenswert? wurden die beiden Schulleitungen von Franz Deck gefragt. Beide waren sich einig, dass der ständige Austausch zwischen diesen beiden Schulen und die enge Zusammenarbeit in den beiden Kollegien doch sehr positive Effekte haben. Die Größe der Schule (Schüleranzahl: ca. 670 WSG, 480 RR) sei ein überschaubares Umfeld, worin sich auch der enge Kontakt zu den Schülern widerspiegele. Beide Schulen haben im Übrigen eine sehr mobile und aktive SMV, hob Herr Reinkunz hervor.
Schwierig seien die Randbedingungen des Lernens, so Frau Becker-Binder, sprich der Lärm aufgrund der schlechten Dämmung, die fehlenden technischen Funktionalitäten und die kleinen Räume.
Herr Reinkunz hob die baulichen Vorteile des Schulzentrums hervor: Das „Herz der Schule“ ist die Aula, die eine Größe hat, die selten ist und in welcher viel machbar ist, so z.B. Theateraufführungen der Schule aber auch Veranstaltungen verschiedener Gruppierungen etc.
Allerdings fehle es im 21. Jahrhundert vor allen Dingen an einer ganzheitlichen Vernetzung, so dass moderne Kommunikationsmittel effektiv eingesetzt werden könnten.
Achim Müller vom Ingenieurbüro IBE referierte nochmals über den begutachteten Zustand des Schulzentrums:
Die Gebäudehülle sei hoch sanierungsbedürftig, die schadhaften Dächer entsprächen nicht mehr der Wärmeschutzverordnung und die Belüftung sei mangelhaft, die fehlende Dämmung verursache einen hohen Lärmfaktor und begünstige die Temperaturschwankungen. Vor allem der Brandschutz weise enorme Mängel auf und entspräche an keiner Stelle der Landesbrandschutzverordnung.
Das Schulzentrum sei ein Gebäude seiner Zeit, so Müller. Das zeige sich auch an der fehlenden Unterkellerung: Dadurch gibt es keine Abstellräumen, Dinge müssen da abgestellt werden, wo sie eigentlich nicht hingehören.
Aber das Schulzentrum habe auch etliche Vorteile: Die Rasterdecken und modularen Wände, auch wenn sie in ihrer Funktion bisher sehr wenig genutzt wurden. Die hellen Innenhöfe und die großen Flurflächen haben auf jeden Fall positive Auswirkungen.
Bernd Bistritz brachte seine Erfahrungen aus dem Kreistag mit zwei sanierten Schulen ein und hob hervor, dass ein gut überlegtes und aufgeteiltes Sanierungskonzept wichtig sei für eine ordentliche Durchführung eines solchen großen Projektes.
Sebastian Schrempp konnte man fast immer noch den Schrecken im Gesicht ablesen, als er das Gutachten und die dort veranschlagten Sanierungskosten unlängst durchlas. 20 Millionen ist schon eine riesengroße Summe, zumal die Kommune ja auch noch andere sanierungsbedürftige Schulen habe, die Kindergärten ihren Anforderungen gerecht werden müssten, ein Schwimmbad zu unterhalten wäre. Auch die zu unterhaltenden 100 km Straßen dürften nicht vergessen werden und vieles mehr. Dies alles unter einen Hut zu bringen, wird schwer, aber es muss etwas getan werden, so Herr Schrempp.
Die anschließende Podiumsdiskussion warf viele Fragen und Bedenken auf, aber die Podiumsteilnehmer konnten diese kompetent beantworten.
Die Frage nach möglichen Bundesfördermitteln beantwortete Sebastian Schrempp dahingehend, dass generell die Schaffung von Schulraum nur einmal gefördert würde. Unter bestimmten Voraussetzungen, die an sehr eng abgesteckte Rahmenbedingungen geknüpft seien, könne ein bestehendes Schulgebäude aufgegeben werde, wenn eine Sanierung unmöglich oder unzumutbar sei, das Gebäude erweitert werden müsste, aber nicht kann, extrem schadstoffverseucht sei oder ein flächengleicher Neubau deutlich billiger wäre. Dies alles schloss das Regierungspräsidium allerdings für dieses Schulzentrum bereits aus.
Auf die Frage, ob in den letzten Jahren versäumt wurde, Fördermittel abzurufen und ob somit Fördermittel nicht mehr genehmigt würden, antwortete Herr Schrempp mit einem klaren Nein. Außerdem sei es so, dass eine Sache entweder förderungswürdig sei oder nicht, unabhängig davon, ob Fördermittel abgerufen wurden. Anzumerken sei aber auch noch, dass die Unterhaltung des Schulgebäudes nicht zuschussfähig, sondern grundsätzlich Sache des Trägers, also der Kommune, sei.
Die Sorgen der Eltern und Schüler wie der Schulalltag bei einer Sanierung aussieht und wie lange das dauern würde seien berechtigt, so Achim Müller. Eine Sanierung ohne Beeinträchtigungen könne und wird es auch nicht geben. Geschickte Bauzeitpläne (z.B. Verlegung extremen Baulärms in die Ferienzeiten) können diese Beeinträchtigungen jedoch minimieren.
Eine eventuelle Sanierung müsse auf jeden Fall abschnittsweise erfolgen und Klassen müssten zeitweise in andere Schulen verlegt werden, weil eine Containerlösung zu teuer wäre, so Sebastian Schrempp. Im Weiteren meinte er, dass die Dauer der Sanierung von verschiedenen Faktoren abhänge. So könne es in drei Jahren neue Gemeinderäte geben, die eventuell ganz andere Schwerpunkte legten. Dann stünden auch in jedem Jahr die Haushaltsentscheidungen an.
Den Vorwurf, ob hier nicht eine Luxussanierung gutachtlich aufgestellt wurde, konnte Achim Müller entkräften. Das Gutachten und die darin bezifferte Sanierungshöhe seien eine Entscheidungsgrundlage mit einem Kostenrahmen und keine Offerte. Ein Gutachten müsse auch immer ganzheitlich betrachtet werden, d.h. bei einem Gebäude werden alle Bestandteile begutachtet und aufgeschlüsselt, was wie zu sanieren ist. Das heißt aber nicht gleichzeitig, dass letztendlich alles saniert werden muss. Und dies bedeutet dann auch, dass schon die einen oder anderen im Gutachten aufgeschlüsselten Kosten eventuell gar nicht anfallen.
Auf die Frage, was ein Neubau der gleichen Größenordnung kosten würde, antwortete Herr Müller zwar nicht gerne, aber er sprach von der jetzigen Bruttogeschossfläche von 11000 qm und bei einer Berechnungsgrundlage von 1.700 Euro/qm käme man somit rechnerisch auf einen Betrag, der zwischen 18 und 19 Millionen Euro liegen würde.
Ein eventueller Neubau könne aber gar nicht in dieser Größenordnung angestrebt werden, so Achim Müller. Hier gäbe es standardmäßige Grundberechnungen, so z.B. die Schulbauförderrichtlinien: Die Feststellung des erforderlichen Schulraumbedarfs erfolgt in aller Regel unter Berücksichtigung der langfristigen Entwicklung der Schülerzahlen, der Regelungen für die Klassenbildung sowie auf der Grundlage der Schemata zur Ermittlung des Raumbedarfs für die einzelnen Schularten. Die in den Schemata enthaltenen Angaben über die Art, Zahl und Größe der benötigten Unterrichtsräume (Klassen- und Fachräume) richten sich nach den schulischen Anforderungen. Diese werden von Zeit zu Zeit überprüft und ggf. entsprechend den lehrplanmäßigen Anforderungen fortgeschrieben.
Der zukünftige Flächenbedarf wird aber allein schon aufgrund der demographischen Entwicklung nicht in diesem Maße ausfallen, wie es das jetzige Schulzentrum hergibt.
Der Vorschlag von einer möglichen Verlegung des Schulzentrums in die Neue Stadtmitte wurde aber von allen, auch von den Schülern aufgrund der optimalen Lage des Schulzentrums abgeschmettert.
Das Schlusswort hatten die Schüler, vertreten durch ihre SMV-ler. Sie wünschten sich auf jeden Fall, dass keine vorschnellen Entscheidungen getroffen würden, sondern die Entscheidung auch unter Einbeziehung von Schülern, Eltern, Fachleuten etc. auf fachlich fundierter und gründlich überlegter Basis erfolgt.
Dem stimmten alle Teilnehmer und das Publikum mit einem kräftigen Applaus zu.
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